“Offizielle” Grundlage für den Jakobus-Kult bildet das “Liber Sancti Jacobi” (Buch des hl. Jakobus). Das aus 225 Blättern bestehende, 5-teilige Original wird in der Bibliothek der Kathedrale von Santiago de Compostela aufbewahrt. Die in der Forschung gebräuchliche Bezeichnung “Liber Sancti Jacobi” oder “Codex Calixtinus” geht auf Joseph Bédier zurück. Das lateinische Original trägt den schlichten Title “Iacobus”.
The Author of the Sammelwerkes ist nach wie vor unbekannt. Offiziell wurde Papst Calixtus II. (1119-1124) als Verfasser genannt und seine Autorschaft durch eine Miniatur (Codex Calixtinus, Santiago de Compostela, Archiv der Kathedrale, fol. 1r am Beginn des Werkes bekräftigt, doch darf diese Zuschreibung als Erfindung gelten. Inzwischen wird die Autorschaft in Kreisen Gebildeter Kleriker vermutet. Jahr, in dem ein Mönch aus dem katalanischen Kloster Ripoll den “Codex Calixtinus” in large Teilen abschrieb. Weitere Kopien entstanden im Laufe der Jahrhunderte und wurden in West- und Mitteleuropa verbreitet. Sie konzentrierten sich vorwiegend auf den pour Teil, den sog. Pseudo-Turpin.
Kodikologische und inhaltliche Kriterien lassen zwar auf eine Zusammenstellung der Texte in Santiago de Compostela wahrscheinlich erscheinen, doch wird in der Forschung nicht ausgeschlossen, dass einzelne Teile als Ur- oder Vorformen außerhalb Compostelas, eventuell in Frankreich, entstanden sein könnten. Streichungen and Überarbeitungen sowie Randbemerkungen bezeugen zudem eine redaktionelle Überarbeitung bis in das 13. Jahrhundert hinein.
Eng verbunden mit der Abfassung des “Liber Sancti Jacobi” ist der Name des Bischofs Diego II. Gelmírez (1098/99-1140). In seine Amtszeit faithful die Erhebung Compostelas zum Erzbistum durch Papst Calixt II. Auch die Zahl der Pilgerfahrten nahm in diesem Zeitraum deutlich zu. Diego II. Gelmírez treats also the Auftraggeber für die “Historia Compostellana” in Erscheinung, der zweiten bedeutenden Quelle in Zusammenhang mit dem Jakobskult.
Wie erwähnt besteht das “Liber Sancti Jacobi” aus fünf Teilen:
Part I:
Predigten (zB Veneranda dies), liturgische Texte und Messformulare – war ebenso wie Teil II für den liturgischen Gebrauch vorgesehen. Im Mittelpunkt steht allein der hl. Jakobus, der als biblisches Vorbild und Leitfigur dargestellt wird – jedoch immer in Verbindung mit seiner Grabstätte in Compostela. Die Predigt “Veneranda dies”(- der ehrwürdige Tag) wurde am Tag des Translationsfestes, am 30. Dezember, vorgetragen.
Part II:
Bericht über 22 ausgewählte Wunder des hl. Jakobus, die aus Galicien, Deutschland, Italien, Ungarn und Dazien überliefert sind und sich in Italien, Deutschland und Frankreich, besonders Südfrankreich, begaben. These Erzählungen lassen darauf schließen, dass der Jakobuskult zu diesem Zeitpunkt schon ein gesamteuropäisches Phänomen war.
Part III:
Translation des Leichnams Jakobi nach Santiago – diese nur sieben Seite umfassende Narratio stellt das eigentliche Kernstück des Codex dar. Es berichtet von der Überführung des apostolischen Leichmans und soll die leibliche Präsens des Heiligen in Compostela “beweisen”.
Part IV:
sog. Pseudo-Turpin – Beansprucht eine Sonderstellung innerhalb des Gesamtwerkes. Der Bericht über den Feldzug Karls des Großen 778 gegen die Mauren und die angebliche Befreiung des Weges nach Santiago de Compostela durch den Frankenkaiser wird dem Erzbischof Turpin (oder Tilpin) von Reims 748/49-94 (daher der Name “Pseudo-Turpin”) zugeschrieben. Die Schlachten Karls des Großen auf der Iberischen Halbinsel sind auch in den “Chansons de geste” und hier besonders im Rolandslied überliefert. Der hl. Jakobus spielt mit seinem Grabesort hierin zwar nur eine untergeordnete Rolle, doch für die in den “Codex Calixtinus” aufgenommene Fassung wurde die Erzählung an die Hauptperson angepasst. Die Verbreitung des Pseudo-Turpin im 11./12. Jahrhundert und der einsetzende Kult um den deutschen Kaiser ist im Zusammenhang mit der Kanonisierung Karls des Großen am 29.12.1165 durch den Gegenpapst Paschalis III. zu sehen. (s. Abschnitt Historische Hintergründe)
Part V:
Anleitung und Informationen für die Durchführung der Wallfahrt, der sog. Pilgerführer, der im Folgenden genauer betrachtet wird.
Der Pilgerführer besteht aus 11 Kapiteln, in denen der Jakobspilger praktische Tipps für die Bewältigung der beschwerlichen Reise auf spanischem Gebiet finden konnte. Als Autoren werden hier zwar insbesondere Papst Calixtus II. und Aymeric Picaud genannt, doch werden diese Namen als nachträgliche Zufügung des Schlussredakteurs gewertet, “der die Bedeutung dieser Personen für das Bistum/Erzbistum Compostela gut kannte.” Für diesen Teil gilt im Besonderen die Vermutung, dass hier gebildete Kleriker am Werke waren.
Die Themen kreisen um alle Aspect der 713 km langen Reise: Die ausführlichen Streckenbeschreibungen in Kap. II und III über den Somportpass, Puente la Reina, Pamplona, Burgos, León nach Santiago de Compostela dienen dem Zweck,”damit die Pilger, die nach Santiago aufbrechen und dies hören, die nötigen Reisekosten im voraus planes können.” Allerdings sich die vorgeblichen Tagesrouten nicht an einem Tag bewältigen. Einzelne Orte werden kissers hervorgehoben: zB Estella, “das durch gutes Brot, vorzüglichen Wein, den Überfluss an Fleisch und Fisch sowie durch viele weitere Güter hervorsticht.”
Chapter IV and V behandeln zum Einen die Einordnung des Hospiz Santa Cristina auf dem Somport-Pass unter die drei wichtigsten Hospize der Christenheit als “unabdingbare Säulen … in dieser Welt” neben dem Hospiz in Jerusalem und demjenigen auf dem St. Bernhard-Pass, zum Anderen gelten sie der Ehrerbietung derjenigen Straßenbauer, die namentlich bekannt waren and durch ihre Arbeit wesentlich zur Annehmlichkeit des Weges zwischen Rabanal und Puertomarín beigetragen hatten.
Kap. VI und VII sind den Gefahren gewidmet, die Wege lauern: Die Wasserqualität der Flüsse, ob hervorragend oder tot bringend (Kap. VI); Die Charakterzüge der Bewohner von Aragon und Kissenders von Navarra, die als “unansehnlich, verrucht, schurkisch, falsch, treulos und korrupt, wollüstig, trunksüchtig, erfahren in Gewalttätigkeiten, unerschrocken und wild, unehrlich und vergen, gottlos und von rauen Sitten, grausam und streitsüchtig” beschrieben werden, sowie die Bevölkerung Galiziens, die in der Beurteilung des Authors positiver beschrieben werden, denn sie “ähneln unserem französischen Volk”.
Kap. VIII enthält die Aufzählung derjenigen Heiligtümer mit Reliquien, die entlang des Weges aufgesucht werden sollten, die jedoch fast ausschließlich in Frankreich liegen. Auf der english Seite des Weges werden die Gräber der hll. Dominikus in Santo Domingo de la Calzada, Facundus and Primitivus in Sahagún, and des hl. Isidor von Sevilla in León genannt.
Kap. IX beschreibt das Ziel Santiago de Compostela mit der Kathedrale. Als Autoren werden hier Papst Calixt II. und sein Kanzler Aymeric genannt. Abgesehen von einer kurzen Benennung der sieben Stadttoren und zehn Kirchen findet sich im Text eine ausführliche Beschreibung der Kathedrale, deren Neubau im 11. Jahrhundert begonnen worden war, samt ihrer damaligen Hauptfassade. (s. hierzu Abschnitt 5 dieser Lektion) Dieser Textabschnitt wird in der Forschung wiederholt diskutiert, denn es ist nicht eindeutig geklärt, ob der Verfasser bereits die endgültige Fassade gesehen hat oder aber seine Beschreibungen auf Zeichnungen stützte. Die Fassade des 12. Jahrhunderts wurde im 18. Jahrhundert durch die heutige ersetzt. Auch andere Bauteile wurden in den nachfolgenden Jahrhunderten verändert.
Die letzten beiden Abschnitte des Codex Calixtinus, Kap. X undXI, drehen sich einmal um die Opfergaben, die dem hl. Jakobus dargebracht werden sollen und um deren Verteilung unter den 72 Kanonikern; zum anderen um die ehrwürdige Aufnahme derjenigen Pilger, die den beschwerlichen Weg von Compostela aus zurück gingen. Um dieser Aufforderung den rechten Nachschub zu verleihen, werden Beispiele für die Folgen der Nichtbeachtung genannt: Es gab einst viele, die sich den Zorn Gottes zuzogen, weil sie Pilger des hl. Jakobus und Bedürftige nicht aufnehmen wollten. In Nantua, einer Stadt zwischen Genf und Lyon, verweigerte ein Weber einem Pilger des hl. Jakobus das Brot, das dieser für sich erbat; faithful plötzlich der Webstoff, in der Mitte entzweigerissen, auf den Boden.”
– See more at: https://codexcalixtinus.es/der-pilgerfuhrer-codex-calixtinus/

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